Rund 50 französische Schulleiter denken wegen der Blockaden ans Aufhören
Seit Beginn der Proteste an den Gymnasien wurden über 200 Beschäftigte im Bildungswesen verletzt. Eine große Gewerkschaft sagt, ungewöhnlich viele Schulleiter wollten weg.

An Frankreichs Lycées passiert etwas Ungewöhnliches. Schulleiter, die normalerweise bis zur Rente im Amt bleiben, bitten jetzt darum, gehen zu dürfen.
Die wichtigste Gewerkschaft der Schulleitungen, SNPDEN-Unsa, sagt, etwa fünfzig von ihnen überlegten, aufzugeben oder sich versetzen zu lassen. Generalsekretär Bruno Bobkiewicz nannte die Zahl am Donnerstag, 5. November, bei RTL.
Was ist passiert?
Seit Beginn der Protestbewegung an den Lycées (französische Oberschulen) wurden laut dem Bericht mehr als 200 Beschäftigte der Éducation nationale (Frankreichs staatliches Schulsystem) verletzt. Neben den Angriffen beschreiben die Schulleiter eine überbordende Arbeitsbelastung und einen chronischen Mangel an Ressourcen.
Die Gewerkschaft betont, dass die Zahl fünfzig eine Schätzung ist. Sie beruht auf Gesprächen der Gewerkschaft mit Schulleitern, nicht auf offiziellen Statistiken.
Warum ist das so bedeutsam?
Weil es ein gewohntes Muster durchbricht. Olivier Beaufrere, Schulleiter und nationaler Sekretär der Gewerkschaft für Bildungs- und Unterrichtsfragen, sagt: „So etwas haben wir noch nie erlebt.“ Bisher, erklärt er, seien Schulleiter auf ihrem Posten geblieben, wenn sie sich dem Ende ihrer Laufbahn näherten.
Heute seien manche bereit, wieder Leiter eines Collège (Mittelstufenschule für 11- bis 15-Jährige) zu werden, wo die Schüler keine Blockaden veranstalten. Er sagt das mit Traurigkeit.
Die erste Einschätzung der Gewerkschaft fällt mitten in die „Mouvement“-Verfahren, den jährlichen Prozess, in dem Beschäftigte Stellen für das nächste Schuljahr beantragen.
Wie geht es weiter?
In vielen Lycées ist die Anspannung weiterhin hoch, und die Gewerkschaft beobachtet, wie viele Schulleiter ihre Pläne tatsächlich umsetzen. Die Zahl ist eine erste Schätzung und kann sich im Laufe des Verfahrens ändern.
Die Lage fällt zudem auf einen vollen Tag. Die Gewerkschaften traten am 5. November landesweit wegen der Löhne in den Streik, und die Regierung hat für Montag eine Sozialkonferenz angekündigt.



